Die Zeit in der wir leben ist geprägt von Perfektion, von immer schärfer, immer besser, immer schneller werden und sein.

Es ist alles so aussergewöhnlich perfekt, so aussergewöhnlich scharf, so aussergewöhnlich optimalst durchgestaltet, dass wir es "den Dingen", egal ob klein und scheinbar unbedeutend oder groß und pompös, nicht mehr gestatten, zu uns zu kommen, sie zu erfühlen, sie zuzulassen, vielleicht aus der Gewohnheit des Gehetzt seins heraus, vielleicht aus der Gewohnheit des Konsumierens heraus, vielleicht auch aus Angst vor dem, was sie in uns bewirken würden.

Es ist mir ein unbedingtes Bedürfnis, ein Muß, ein Nicht-anders-können, mit langer, mit "langsamer", Belichtungszeit zu fotografieren und dem Bild somit ein gewisses Eigenleben zuzugestehen.

Muß es denn nicht einfach mehr geben, als das überscharfe Abbilden einer Situation, eines Mensch, eines was auch immer, einer sogenannten Realität?

Denn: Was ist – real - ?
Ist nicht vieles Interpretation, dem Auge des Interpreten entsprechend?

Gibt es denn nicht soviel "dazwischen", Dinge, Gefühle, nicht gleich ersichtlich, nur schwer wahrzunehmen und zu erfühlen, Dinge hinter dem Offensichtlichen und Konsumierbaren, Dinge, zu gewöhnlich um festgehalten zu werden ?

Und eigentlich befinde ich mich immer auf der Suche nach einem Stückchen Wahrhaftigkeit, nach Gefühlen und Leidenschaften, echt und unverfälscht, nicht gestellt und nicht gestylt, nicht durchgeplant oder durchorganisiert.

Und ich bin auf der Suche nach diesen gewissen Schwingungen dazwischen, zwischen allem und jedem, diese Schwingungen, die soviel oder alles ausmachen und doch so unsichtbar und schwer greifbar sind.

Und während des Prozesses des Fotografierens versuche ich mich „leer“ zu machen, loszulassen, mitzufließen, mich von der Situation, der Atmosphäre tragen und leiten zu lassen, um schlußendlich mit den Bildern zu einer eigenen Ganzheit zu gelangen, die aus sich selber heraus entstanden ist.